St. Angela und Vogelsang IP beschreiten zukünftig einen gemeinsamen Weg

„Jiskor“ – dieses hebräische Wort befindet sich eingerahmt durch die Umrisse eines Davidsterns auf einer Gedenktafel, die am 11. Mai 2017 an der Gedenkstätte Theresienstadt enthüllt wurde. Das Wort impliziert die Aufforderung, dass man sich erinnern möge – im konkreten Fall an die Schicksale und gebrochenen Lebensläufe der mindestens 25 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Bad Münstereifel, die während des Zweiten Weltkriegs in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden.

Gestaltet wurde die Gedenktafel von Schülerinnen und Schülern des St. Angela Gymnasiums. Ebendiese sind es auch, die in den kommenden Jahren nicht nur der Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes gedenken, sondern auch versuchen zu verstehen, warum gerade junge Menschen in den 1930er Jahren der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten verfallen konnten – wie es beispielsweise auf der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang der Fall war.

Zu diesem Zweck gehen das St. Angela Gymnasium und die Akademie Vogelsang IP zukünftig einen gemeinsamen Weg. Der Grundstein hierfür wurde in der vergangen Woche durch die offizielle Unterzeichnung  eines Kooperations-Vertrages gelegt. In diesem wurde festgeschrieben, dass die Jahrgangsstufe 9 wie auch die Geschichtskurse der Qualifikationsphase jährlich Studientage in Vogelsang absolvieren. Vorgesehen sind auch Projekttage im Rahmen des Schüleraustauschs mit der Partnerschule aus Prag. Das schulinterne Curriculum im Fach Geschichte wird entsprechend angepasst.

Übergabe der Urkunde zur Bildungspartnerschaft mit der Akademie Vogelsang IP - von links nach rechts: Thomas Pitsch (Erzbischöflicher Schulrat), Sabine Weber (Akademie Vogelsang IP), Bernhard Helfer (Schulleiter), Benedikt Schöller (Fachschaftsvorsitzender des Faches Geschichte)

Eingebettet wurde die Vertragsunterzeichnung zwischen Akademie und Schule in einen Festakt, der in der Aula der Schule vor über 150 Gästen – darunter u.a. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Vertreterinnen und Vertreter der Akademie Vogelsang IP, der Erzbischöfliche Schulrat Thomas Pitsch und Ehemalige wie der langjährige Schulleiter Theo Spillutini – stattfand.

Während des Festaktes unterstrich nicht nur Schulleiter Bernhard Helfer, wie wichtig es sei, die richtigen Schlüsse für das eigene Handeln aus der Geschichte zu ziehen. Auch der Historiker und Ehrenvorsitzende des Vereins Alter Münstereifeler, Prof. Dr. em. Horst A. Wessel, betonte in seiner Rede, wie wichtig eine kritische und reflektierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – insbesondere mit dem Nationalsozialismus – sei. Um dies zu verdeutlichen, wies er auf das Engagement verschiedener Persönlichkeiten aus Bad Münstereifel hin, die sich in den Nachkriegsjahrzenten um eine kritische Aufarbeitung der NS-Zeit bemühten.

In einer sich daran anschließenden Podiumsdiskussion kristallisierte sich dann der nachhaltige Nutzen der so genannten Bildungspartnerschaft für die Schülerinnen und Schüler des St. Angela Gymnasiums heraus. So betonte Geschichtslehrer Matthias Engel, dass bei Exkursionen zu außerschulischen Lernorten immer eine Aufwand-Nutzen-Relation betrachtet werden müsse. Bei der Teilnahme an den Bildungsprogrammen in Vogelsang überwiege eindeutig der Nutzen, da sich gerade Vogelsang als Ort nationalsozialistisch-arischer Menschenzüchtung dazu eignen würde, eine emotionale Brücke zu einem historischen Lernthema zu schlagen. Auch Schülerinnen und Schüler des Geschichte-Leistungskurses der Qualifikationsphase 2 unterstrichen, dass perfekt recherchierte Darstellungstexte im Geschichtsbuch zwar wichtig für das Verstehen und Einordnen von historischen Sachverhalten seien. Gerade in Vogelsang würde die Begegnung am originalen Ort zudem dazu führen, dass dem Besucher die menschenverachtende Ideologie unmittelbar vor Augen geführt würde.

Podiumsdiskussion zum Thema "Lernchancen am historischen Täterort" - von links nach rechts: Thomas Pitsch (Erzbischöflicher Schulrat), Matthias Engel (Geschichtslehrer), Sabine Weber (Akademie Vogelsang IP), Lorenz Mies, Tobias Schmitz & Niklas Funke (alle Schüler des Geschichte-Leistungskurses der Qualifikationsphase 2), Benedikt Schöller (Fachschaftsvorsitzender des Faches Geschichte)

Sabine Weber, Bildungsreferentin der Akademie Vogelsang IP, hob in diesem Kontext hervor, dass die Auseinandersetzung mit dieser Thematik gerade vor dem Hintergrund aktueller politischer Debatten wichtiger denn je sei. Zudem erwähnte Schulrat Thomas Pitsch, dass insbesondere an einer christlichen Schule wie dem St. Angela Gymnasium Werte vermittelt würden, die denjenigen der NS-Ideologie diametral gegenüberstünden. Lernchancen gebe es am außerschulischen Lernort Vogelsang demzufolge auch insbesondere in puncto Werteerziehung.

Die Akademie Vogelsang IP und das St. Angela Gymnasium werden daher zukünftig einen gemeinsamen Weg beschreiten und hoffen so, die fachlichen und pädagogischen Kompetenzen der Schule mit den wissenschaftlichen Kompetenzen der Akademie Vogelsang IP und der Wirkungspotenziale des historischen Ortes zusammenzuführen.

 

gez. Benedikt Schöller

(Fachschaftsvorsitzender des Faches Geschichte)